Der traditionsreiche Schuhhändler Görtz, der vor etwas mehr als anderthalb Jahren einen hoffnungsvollen Neustart nach einem abgeschlossenen Insolvenzverfahren verkündete, sieht sich erneut gravierenden Herausforderungen gegenüber. Unmittelbar nach dem angekündigten Comeback unter der Mitwirkung des Investors Bolko Kissling, der über seine IT-Firma CK Technology Solutions GmbH einstieg, haben sich nun erneut Anzeichen einer Krise abgezeichnet.
Rückblick auf den Neustart
Im Juli 2023 erklärte Görtz nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, dass das Insolvenzverfahren erfolgreich beendet sei. Der damalige Optimismus beruhte darauf, dass mit dem frischen Kapital und der strategischen Neuausrichtung das Unternehmen – mit rund 650 Mitarbeitenden – auf einen erfolgreichen Kurs gebracht werden sollte.
Erneute Turbulenzen und gerichtliche Eingriffe
Trotz der früheren Aussichten haben mehrere Gläubiger inzwischen Anträge gestellt, die das Gericht dazu veranlasst haben, einen vorläufigen Insolvenzverwalter für die Görtz Retail GmbH einzusetzen. Der beauftragte Sachverständige, Gideon Böhm von Münzel & Böhm, soll klären, ob erneut ein Insolvenzgrund vorliegt und welche Perspektiven für die Fortführung des Kerngeschäfts bestehen. Parallel dazu ist geplant, die Belegschaft in einer Betriebsversammlung über die aktuellen Entwicklungen zu informieren und Maßnahmen zur Sicherung der Gehälter, wie eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes, einzuleiten.
Mietrückstände und Räumungsklagen
Ein weiterer kritischer Aspekt der aktuellen Krise sind langanhaltende Mietrückstände an mehreren Standorten. Berichte aus Hamburg deuten darauf hin, dass Görtz wegen ausbleibender Mietzahlungen mit Räumungsklagen konfrontiert ist. So wurden beispielsweise an einem Standort die Schlösser des ehemaligen Zentrallagers durch einen Gerichtsvollzieher ausgetauscht, was zur vorübergehenden Schließung und Freistellung der Mitarbeitenden führte. Auch in Österreich gibt es Auseinandersetzungen mit Vermietern, was die Problematik zusätzlich verdeutlicht.
Branchenumfeld und Zukunftsaussichten
Der Schuhhändler betreibt derzeit etwa 50 Filialen im deutschsprachigen Raum, davon rund 40 in Deutschland und neun in Österreich. Trotz eines prognostizierten Jahresumsatzes von ca. 50 Millionen Euro hat Görtz noch nicht die erhoffte Profitabilität erreicht. Investor Kissling räumt ein, dass die „Krankheiten“, die aus der vorangegangenen Insolvenz hervorgingen, weiterhin spürbar sind – und erwartet für 2025 ein moderat negatives Ergebnis. Zudem kämpft die gesamte Schuhbranche mit schwierigen Marktbedingungen, wie jüngste Insolvenzanträge, etwa von der traditionsreichen Schuhfabrik Carl Semler, verdeutlichen.
Fazit
Der erneute Einzug eines Insolvenzverfahrens und die aktuellen Räumungsklagen zeigen, dass Görtz trotz früherer Sanierungsversuche weiterhin vor erheblichen Herausforderungen steht. Die Kombination aus internen Sanierungsproblemen, externen Mietstreitigkeiten und einem angespannten Marktumfeld stellt das Unternehmen vor einen steinigen Weg in eine stabile Zukunft. Dieser Bericht dient rein informativen Zwecken – wir stehen in keinerlei Verbindung zu den hier erwähnten Personen oder Unternehmen.