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Kaffee wird teurer – was hinter dem Preisschock steckt

Nina

Kaffee ist in Deutschland nicht nur ein beliebtes Getränk, sondern ein tägliches Ritual – und das lassen sich Konsumentinnen und Konsumenten inzwischen spürbar mehr kosten. In den vergangenen Monaten sind die Preise für Kaffee an den internationalen Börsen stark gestiegen. Was bisher nur schrittweise im Supermarktregal ankam, dürfte sich bald für viele Haushalte spürbar bemerkbar machen.

Die Ursachen des Preisanstiegs: Von Ernteausfällen bis Klimakrise

Die Preisexplosion bei Kaffee hat viele Ursachen. Einer der Hauptgründe sind massive Probleme in den Anbauländern. So litt Brasilien, der weltweit größte Produzent von Arabica-Kaffee, unter ungünstigen Wetterbedingungen: Extreme Temperaturschwankungen, Dürrephasen und Regen zu ungünstigen Zeiten führten zu fünf enttäuschenden Ernten in Folge. Gleichzeitig wurden in Vietnam, dem zweitgrößten Kaffeeexporteur weltweit, große Teile der Robusta-Ernte durch Überschwemmungen vernichtet.

Beide Kaffeesorten – Arabica und Robusta – sind für die Herstellung von Mischungen essenziell. Üblicherweise konnten Schwankungen der einen Sorte durch die andere ausgeglichen werden. Doch aktuell steigen die Preise für beide Sorten gleichzeitig. Laut der Rabobank erreichte der Preis für Arabica im November 2024 über 3 US-Dollar pro Pfund – ein Stand, der seit 1977 nicht mehr erreicht wurde. Robusta verteuerte sich in nur fünf Monaten sogar um mehr als 230 Prozent.

Klimawandel gefährdet langfristig den Kaffeeanbau

Die Preisrallye wird nicht nur durch akute Wetterphänomene befeuert. Auch langfristige Prognosen deuten auf anhaltenden Preisdruck hin. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung könnten bis 2050 rund 50 Prozent der heutigen Arabica-Anbauflächen verloren gehen – insbesondere aufgrund steigender Temperaturen und sich verändernder Regenmuster. Gleichzeitig steigt die Nachfrage, vor allem in aufstrebenden Märkten wie China und Indien.

Diese Kombination aus rückläufigem Angebot und wachsendem Konsum dürfte den Kaffeepreis dauerhaft hoch halten.

Politische und logistische Herausforderungen verschärfen die Lage

Zusätzlich zu den klimatischen Bedingungen beeinflussen politische Entwicklungen den Markt. So haben viele europäische Röstereien im Vorgriff auf strengere EU-Regularien zu entwaldungsfreien Lieferketten ihre Lagerbestände aufgefüllt. Auch mögliche US-Zölle auf Kaffeeimporte aus Mexiko könnten ähnliche Hamsterkäufe ausgelöst haben.

Erschwerend kommt hinzu: Die Blockade des Suezkanals durch Huthi-Rebellen zwingt Frachtschiffe zu Umwegen über das Kap der Guten Hoffnung – eine Route, die rund 20 Tage länger dauert und die Frachtkosten vervielfacht.

Folgen für Supermärkte und Verbraucher

Noch sind die drastischen Preissteigerungen an den Börsen nicht vollständig bei den Verbraucherpreisen angekommen. Das liegt daran, dass Rohkaffee meist über sogenannte Termingeschäfte gehandelt wird. Dabei einigen sich Röster und Händler lange im Voraus auf bestimmte Preise und Liefermengen. Bis der Kaffee aus dem Anbauland über die Rösterei ins Supermarktregal gelangt, können mehrere Monate vergehen.

Doch dieser Puffer schrumpft, und erste Konflikte sind bereits sichtbar: So eskalierte ein Streit zwischen dem Hersteller Jacobs Douwe Egberts und der Supermarktkette Edeka – mit der Folge, dass Marken wie Jacobs, Senseo und Tassimo vorübergehend aus den Regalen verschwinden könnten.

Vergleichbare Auseinandersetzungen gab es bereits in der Vergangenheit – etwa mit Kellogg’s, Pepsi oder Milka – doch Kaffee gilt als unverzichtbar. Kein Händler wird riskieren wollen, dauerhaft ohne das Lieblingsgetränk der Deutschen dazustehen.

Tchibo in Sonderstellung

Eine besondere Rolle nimmt Tchibo ein. Das Unternehmen verkauft seine Produkte auf Kommissionsbasis: eigene Regale, eigene Preise – auch in Supermärkten. Das ermöglicht eine größere Preisautonomie. Im April 2024 erhöhte Tchibo die Preise um bis zu einen Euro pro Pfund, je nach Herkunft des Kaffees.

Damit ist Tchibo vielen Wettbewerbern einen Schritt voraus. Das Modell schützt das Unternehmen vor zähen Preisverhandlungen mit Handelsketten – bringt aber auch Nachteile für Verbraucher mit sich, da Preissteigerungen schneller und direkter umgesetzt werden können.

Marktanteile und Entwicklungen

Der deutsche Kaffeemarkt ist stark konzentriert. Die Eigenmarken der Supermärkte und Discounter kommen zusammen auf rund 22,6 Prozent Marktanteil. Tchibo liegt mit 15,5 Prozent knapp vor Jacobs Douwe Egberts mit 14,8 Prozent.

Die Marktführer stehen nun vor der Herausforderung, wie stark sie die gestiegenen Kosten an die Kunden weitergeben können – ohne sich selbst im hart umkämpften Preissegment zu schaden.

Fazit: Der Preisschock kommt erst noch

Der Preisanstieg für Kaffee ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern das Ergebnis einer Vielzahl globaler Entwicklungen: vom Klimawandel über politische Unsicherheiten bis hin zu logistischen Problemen. Für Verbraucher bedeutet das: Die aktuelle Preiswelle dürfte noch nicht ihren Höhepunkt erreicht haben.

Laut Branchenvertretern steht der eigentliche Preisschock noch bevor. Wer seinen Kaffeekonsum langfristig bezahlbar halten will, wird sich möglicherweise an kleinere Packungen, wechselnde Sorten oder auch alternative Anbieter gewöhnen müssen. Klar ist: Das Lieblingsgetränk der Deutschen wird zum Luxusgut – schleichend, aber spürbar.

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